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Geburtsbericht von   Alix

Geburtsbericht von Alix am 19.07.2017

Ich schreibe heute den Geburtsbericht unserer Tochter Alix, geboren am 19.07.2017 ins Klare. Notizen habe ich mir am Anfang während und am Tag nach der Geburt gemacht, um nichts zu vergessen, weder Fakten noch die Gefühle, die ich verspürte.

Meine Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen und seitdem ich Zuhause war und nicht mehr zur Arbeit pendeln musste, fühlte ich mich auch Schwanger richtig wohl und habe alles total genossen. Die letzte große Angst bzw. Last wurde mir genommen, als ich den Tipp erhielt mal bei der Hebammenpraxis Kugelrunde wegen einer Hausgeburt nachzufragen. Das war mein großer Traum, so stellte ich mir Geburt vor. Leider mussten wir auf das Geburtshaus in Idstein zurückgreifen, da ich leider keine Hebamme fand, die uns auf unserem Weg begleitet hätte. Meine Gefühle fuhren Achterbahn, als Anna mich eines Tages Vormittags anrief und uns mitteilte, dass wir uns gern kennenlernen können! Ich war wie von Sinnen. Nachdem wir sowohl Anna als auch Nele kennenlernen durfte und es für mich so richtig und zu 100% passte war ich so euphorisch! Ich freute mich tierisch auf die Geburt und wir fühlten uns so aufgehoben. Es war nicht mehr viel Zeit, wir lernten uns erst sehr spät kennen. Ich glaube ich war in der 36. Schwangerschaftswoche.

Zur Vorsorge am Montag, den 17.07. kam Anna das erste mal zu uns nach Hause. Es war wieder alles super, aber Geburtstechnisch tat sich so gar nichts (ET war der.13.7.). Das Baby, was bis dahin noch ein Überraschungsei war, mochte es im Bauch und mir ging es auch wirklich noch super. Weder Anna noch ich dachten, dass es diese Woche noch los ging.

So langsam wurde mir aber langweilig, seit Wochen zu Hause. Draußen waren es über 30 Grad seit Tagen und für die Ankunft unseres Babys und die Geburt war alles vorbereitet. Am Dienstag wollte ich mich nochmal richtig ausschlafen. Nachts wachte ich immer öfter auf in letzter Zeit mit Rückenziehen usw. Tagsüber konnte ich meist besser schlafen. Ich habe es an diesem Tag tatsächlich geschafft zu schlafen, bis Chris um 16.15 Uhr von der Arbeit heim kam! Wahnsinn.

Gegen 23.30 Uhr gingen wir ins Bett, ich war trotz des Schlafes wirklich müde. Ich fand nur schwer in den Schlaf, irgendwas störte mich immer. Das Licht von draußen, das leichte Schnarchen neben mir. Ich bin nur kurz eingeschlafen. Um 00.20 Uhr wachte ich wieder mit Rückenziehen auf und musste aufs Klo, kam aber danach wieder nicht zur Ruhe. Dann kam wieder ein Rückenziehen. Nachdem ich das dritte mal dieses unangenehme ziehen verspürte schaute ich auf die Uhr. Es war 00.40 Uhr. Ich dachte mir noch nichts dabei, lag im Bett und versuchte wieder einzuschlafen. Um 01.15 Uhr habe ich es aufgegeben und bin aufgestanden. Ich war wach und es würde nichts bringen einfach herumzuliegen und Chris womöglich zu wecken. Also ging ich ins Wohnzimmer und machte Spaßeshalber mal diese Wehenapp an. Ich saß auf meinem Gymnastikball, aber immer häufiger musste ich aufstehen, wenn die Rückenschmerzen kamen. Ich fing an währenddessen um unseren Esstisch zu laufen.



Die Zeit verging wie im Flug, die Wehen kamen mir aber noch nicht besonders regelmäßig vor. Ich machte einen Screenshot und fragte in meiner tollen Hausgeburtsgruppe nach, was die anderen Mamas davon hielten, ob ich mal in die Wanne sollte um zu schauen, ob sie blieben? Sabine riet mir auch dazu (mehr Antworten habe ich nicht mehr wirklich gelesen). Also weckte ich Chris, weil ich Angst hatte, dass mein Kreislauf die warme Wanne nicht mitmachen würde. Der war total im Tiefschlaf, der Ärmste :-D. Ich ließ also Wasser ein und legte mich in die Wanne. Wehen hatte ich dann nicht mehr gemessen, ich sagte aber Chris er sollte es tun während ich in die Wanne stieg. Ich hatte auch schon das Bedürfnis die Wehen zu vertönen, denn es zog wirklich stark in den unteren Rücken. Die Bauchatmung brachte mir hier leider keine Erleichterung. Die Badewanne tat mir sehr gut, die Wehen wurden aber auch heftiger. Ich stieg also wieder aus und überlegte wie es weiterging. Ich hatte nicht mehr so viel Zeit um zu denken, die Wehen waren jetzt eindeutig sehr regelmäßig und kamen in kurzen Abständen. Ich bat Chris Anna anzurufen, es war mittlerweile viertel vor drei, ich lief permanent um den Tisch drumherum und Tönte mittlerweile recht laut auf „ohh“. Ich wollte wissen, was Anna davon hielt und bekam dann schlagartig eine riesige Panik! Diese Wehen würde ich keine 12 Stunden oder mehr aushalten! Es war anstrengend nicht sitzen oder liegen zu können! Hier kamen die tollen Rescue Tropfen das erste mal zum Einsatz! 4 Tropfen direkt auf die Zunge. Und sie halfen mir tatsächlich. Chris hatte Anna erreicht und sie machte sich auf den Weg. Die Zeit verging, ich hatte es nicht mehr im Gefühl. Ich lief immer noch um den Tisch drum herum, hatte aber raus gefunden, dass es mir half während der Wehen die komplette Muskulatur locker zu lassen. Nur noch die Beine waren am arbeiten. Chris fragte mich, ob ich meine Geburtsmusik, Duft usw. haben wollte, aber nein.. nichts von dem was ich mir bereit gelegt hatte brauchte ich. Ich wollte nur laufen. Dann wollte er mir doch tatsächlich den Tisch wegnehmen! Er fing an den ersten Stuhl wegzuräumen, denn genau an die Stelle sollte der Pool! Ich habe ihm sehr deutlich gemacht, dass das nicht geht. Ich bin mit geschlossenen Augen um den Tisch gelaufen, ich brauchte das. Wäre er weg gewesen, ich wäre verzweifelt. Ich konnte gut mit den Wehen arbeiten, das laute Ohhhhh Tönen half mir enorm die Energie, die sich da im Rücken sammelte umzuleiten. Es waren keine Schmerzensschreie, ich habe es richtig so als Energieumleitung gefühlt. Es klingelte dann an der Tür und ich wunderte mich, wieso es direkt oben klingelte und dachte noch an einen Nachbarn und hatte ein tierisch schlechtes Gewissen. Aber es war Anna! Sie war ganz ruhig und beobachtete erst mal was ich da so machte. Ich glaube sie hat auch mit Chris irgendwas besprochen, bin mir aber nicht sicher. Ich sagte ihr, dass ich bald nicht mehr laufen konnte. Sie schlug vor, dass ich auf unsere Couch mal im Vierfüßler gehe. Da haben mir die Wehen aber gar nicht mehr gut gefallen, es tat dann wirklich weh, also wieder gelaufen. Sie fragte mich, ob sie mich mal untersuchen dürfte in der Wehenpause. Ich hatte etwas Panik, denn die Pausen kamen mir sehr kurz vor und ich hatte häufig 2-3 Wehen ohne Pause hintereinander. Aber es hat gut geklappt, als wenn wir es vorher geübt hätten. Der Befund lautete (es war gegen 4 Uhr) bei 3 cm. Ich war etwas enttäuscht, aber Anna sagte mir, dass das super sei. Die ersten 5 cm dauern am längsten. Sie schlug mir vor es noch mal mit der Badewanne zu probieren. Ich willigte ein, ich liebte Wasser und mit der Hilfe der beiden würde ich zur Not auch schnell wieder raus kommen. Ich lies also heißes Wasser dazu und ging rein. Und es war so eine Erleichterung! Es tat total gut einfach während den Pausen zu entspannen. Es waren nur 2-3 Kerzen an. Chris saß bei mir und hat mir immer Wasser gegeben, Anna saß etwas weiter weg und beobachtete und lobte mich :). Außerdem hörte sie die Herztöne des Babys mit einem Doppler an. Sie waren gut, der Doppler am Bauch während der Wehe aber eher unangenehm. Aber es kam nicht so oft vor und daher war alles super. Sie untersuchte mich dann mit meinem Einverständnis nochmal. Innerhalb von etwa einer Stunde war ich dann auf 6 cm. Das war gut! Die Wehen kamen in sehr kurzen Abständen, aber ich lag total entspannt in der Wanne zwischen den Wehen, Chris versorgte mich mit Wasser (ich hatte viel Durst durch das Tönen) und ich empfand die Situation als richtig schön. Insgesamt waren die Wehen sehr Kraftvoll, Anna gab mir ein paar Mal irgendetwas in den Mund, was (wenn ich es richtig verstanden habe) die Wehenabstände etwas auseinander ziehen sollte? Ich bin mir nicht sicher. Ich sollte es nicht schlucken sondern im Mund zergehen lassen. Das war unangenehm, fühlte sich an wie Schüssler Salze. Bei meinem Durst war mein Mund ganz trocken. Aber es ging. Ich vertönte weiter richtig schön die Wehen im Wasser und plötzlich veränderten sich die Wehen! Ich hatte seltener Rückenwehen, sondern einen enormen Druck nach unten und habe mit geschoben. Das war ein total tolles Gefühl. Es muss kurz vor 6 Uhr gewesen sein, denn kurz danach klingelte der Wecker von Chris. Ich musste schmunzeln und sagte zu ihm, dass er ab heute erst mal nicht mehr zur Arbeit muss :). Ich genoss die neuen Wehen und sagte meinem Baby immer wieder wie toll wir das machten. Anna hat mich dann nochmal untersucht, das Ergebnis war gut denke ich. Genau weiß ich es nicht mehr. Sie wollte aber, dass ich mal den Vierfüßler teste in der Badewanne und fragte mich auch, wo ich das Kind bekommen wollte? Ich wollte nicht aus der Wanne raus :(. Hab dann nochmal nach dem Pool gefragt, aber wir blieben bei der Wanne (da es wahrscheinlich eh zu spät war). Ich lag im Wasser, konnte super die Wehen vertönen und fühlte mich sehr wohl. Anna bat mich dann irgendwann mal nicht so sehr mit zuschieben, das ist mir sehr schwer gefallen, ging aber. Nach einer Weile sagte sie mir dann, dass es nicht voran geht und sie mir gern ein CTG dran machen würde. Die Herztöne sind während der Wehen nicht so gut. Ich habe zugestimmt, aber mir noch keine Sorgen gemacht. Ich fühlte mich wohl. Habe gar kein Zeitgefühl mehr gehabt. Sie bat mich irgendwann mal vor die Wanne zu kommen um durch einen Wechsel der Position dem Baby zu helfen weiter zu rutschen. Es ging vor der Badewanne erstaunlich gut, die Wehen waren weiterhin gut machbar. Ich saß im Vierfüßler mit dem rechten Bein aufgestellt da. Ich bat Chris hinter mir weg zu gehen und neben mich zu kommen. Er hielt übrigens die ganze Zeit meine Hand und ich musste nichts sagen, er war die ganze Zeit perfekt.
Irgendwann durfte ich wieder in die Badewanne, das tat mir wieder sehr gut. Zwischen den Wehen konnte ich gut entspannen, aber ich merkte das Anna nicht zufrieden war. Irgendwas stimmte nicht. Sie sagte dann auch, dass sie gerne in die Klinik verlegen würde, die Herztöne des Babys sind in den Wehen nicht gut, auch wenn sie sich erholen würden nach der Wehe. Aber die Wehen kamen zu oft. Ich war am Boden zerstört. Ich verkrampfte auch total, wusste gar nicht wie ich aus der Wanne in Klamotten kommen sollte. Anna und Chris halfen mir raus. Chris packte dann schnell die Krankenhaustasche. Eine Liste lag bereit, sodass es schnell ging. Anna rief in unserer „Wunschklinik“ an. Und dann teilte sie mir mir, dass sie voll sind! Wir mussten also in das weiter entfernte Krankenhaus, welches Anna gar nicht kannte.
Ich versuchte währenddessen in eine Hose zu kommen, auf Unterwäsche verzichtete ich. Chris legte mir noch mein Lieblingsshirt raus, aber so was enges konnte ich gar nicht vertragen jetzt. Ich schnappte mir eine seiner Jogginghosen und eines seiner Lieblings Shirts und zog es ohne BH an. Dazu Flip Flops. Dazwischen sehr heftige schon sehr schmerzhafte Wehen, ich weinte kurz. Ich ging ins Bad und nahm nochmal Rescue Tropfen. Ich wusste nicht, wie ich die verdammte Autofahrt überstehen sollte, geschweige denn den Weg in die Tiefgarage zum Auto. Es ging aber irgendwie. Die Fahrt war für mich der Horror. Es muss Berufsverkehr gewesen sein, die Fahrt dauerte gefühlte Ewigkeiten. Als wir ankamen, ist Chris in die Tiefgarage gefahren! Ich habe ihn verflucht. Da musste man noch bis zum Aufzug, von da dann zur Aufnahme, dann wieder mit dem Aufzug. Ich glaube, ich habe da viel geschimpft.

Irgendwann kamen wir auf der Entbindungsstation an. Eine nette Hebamme stellte sich mir vor und führte uns in einen kleinen Raum mit einem Geburtsbett. Ich stand daneben, war immer noch total fertig und hatte riesige Angst jetzt einen Kaiserschnitt zu bekommen. Es war kurz nach 9 Uhr, über der Tür hing eine Uhr. Die Wehen waren unerträglich, ich war auch am Ende meiner Kraft. Ich weiß nicht ob ich weinte, aber mir war so sehr danach. Chris war dann schnell einfach weg, sie schickten ihn zu irgendwelchen Papieren. Ich bekam ein CTG umgelegt, das war sehr sehr schmerzhaft. Der Enge Gurt und das rum drücken auf dem Bauch während der Wehen. Dann wollten sie mir einen Zugang legen, ich verneinte, aber man sagte mir das das Standard sei und so muss. Ich hatte keine Kraft mehr mich dagegen zu wehren, ich wollte Chris bei mir haben, fragte immer nach ihm. Dann machten sie noch einen Ultraschall um zu schauen wie das Baby lag. Und dann musste ich mich AUF das Bett legen. Das war meine Horrorvorstellung! Ich sagte ich kann mich auf keinen Fall hinlegen mit den Wehen, aber irgendwie ging es wohl nicht anders. Ich lag dann und dann wurde getastet. Das war so schmerzhaft. Ich durfte dann irgendwann mit pressen. Chris war immer noch nicht wieder da, ich war verzweifelt, ich wollte ihn bei mir haben. Anna war dann bei mir und hielt meine Hand. Ich sollte mit pressen und pressen und pressen. Ich gab alles. Das Baby hing dann irgendwann während mehrerer Wehen halb drin halb draußen mit dem Kopf. Chris war dann da, ich habe geschrien wie verrückt, es tat so weh ich sollte pressen ohne Wehen und ich habe alles gegeben. Und dann war sie da. Kurz lag etwas nasses und glitschiges unten auf meinem Körper, Chris war auf einmal auf meiner anderen Seite, die Nabelschnur wurde durchtrennt von ihm, ich sagte noch, dass sie auspulsieren soll, die Ärztin sagte dass dafür keine Zeit ist. Dann war das Baby ganz schnell weg. Ich fragte wo das Baby ist und welches Geschlecht es hat. Sie war irgendwo hinter mir, hatte wohl Probleme beim Atmen ich sagte Chris dass er da jetzt hin soll und beim Baby sein soll! Er sagte mir dann, dass sie ein Mädchen ist. Irgendwann kam die Hebamme und sagte ich sollte mein Tshirt ausziehen. Das habe ich gemacht und dann lag da so ein kleines Wesen auf meiner Brust, zugedeckt mit einem Handtuch. Sie weinte kurz aber beruhigte sich ganz schnell. Ich sah nur ihren Kopf, der verformt war. Und ich weinte. Mein Bauch war leer und da lag sie auf mir. Es fühlte sich alles so surreal an.Die Hebamme spritze mir etwas in den Zugang und sagte ich sollte mal mitschieben und drückte auf meinem Bauch rum. Dann war auch die Plazenta geboren. Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht.

Wir waren dann mit Anna alleine und ich kam etwas zur Ruhe. Ich hatte eine Tochter geboren. Chris war so stolz und hielt meine Hand, die andere an unserem Baby.
Als wir im Kreissaal ankamen und ich vor dem Bett die Wehe vertönte war es kurz nach 9 Uhr. Um 9.40 Uhr wurde unsere Tochter Alix geboren. Es hat also nicht lange gedauert. Chris war etwa 25 bis 30 Minuten weg. Anna War die ganze Zeit an meiner Seite und hielt meine Hand.



Insgesamt hatte ich eine wirklich schöne Geburtsreise zu Hause. Meine Hebamme Anna war der Hammer, sie hat sich zurückgehalten, mir gut zugesprochen und war genau da wo ich sie brauchte. Mein Freund und Partner war unglaublich. Ohne zu sprechen wusste er was ich brauchte, wie er mit mir umgehen muss. Auch jetzt mit der Kleinen ist er unglaublich. Er sorgt dafür, dass ich esse, trinke, schlafe, kümmert sich rührend um seine Tochter und um mich und um uns. Er macht Haushalt, Essen, wimmelt Leute ab. Und er küsst mich und verzeiht mir, dass ich manchmal so zickig bin und ihn anmache. Auch er fand die Zeit zuhause während der Geburt unglaublich.

Die Geburt endete für uns nicht wie vorgestellt. Aber wir werden das gemeinsam verarbeiten, denn wir haben eine wundervolle Tochter Zuhause.

Es war ein so großes Geschenk unsere Hebammen Anna und Nele auf unserem Weg noch gefunden zu haben! Wir werden es den beiden niemals danken können.