© 2016 by Anna Kollwig

Geburtsbericht von Tom

Die Geburt von Tom am 30.09.2019

3560g, 52cm, 37cm Kopfumfang

Nach einer sehr schönen, unkomplizierten Schwangerschaft fieberten wir der Geburt freudig entgegen. Unser Sohn ließ jedoch auf sich warten und mir bangte schon vor einer Einleitung und Geburt im Krankenhaus. Anna strahlte aber zu jedem Zeitpunkt eine solche Ruhe aus, so dass wir optimistisch abwarteten. Am ET +8, um 5 Uhr morgens spürte ich die ersten leichten Wehen, bereits verlässlich alle 4-10 Minuten. Ich war mir nicht sicher ob das tatsächlich der Geburtsbeginn ist. Wir erwarteten unser erstes Kind und gingen davon aus, dass die Geburt etwas länger dauert. Ich versuchte noch ein bisschen zu schlafen, das gelang mir auch gut. Es war der erster Ferientag meines Freundes Max. Wir waren also beide entspannt, denn es war klar, dass er in den nächsten Tagen nicht zur Arbeit muss. 

Wir hatten uns auch im Krankenhaus angemeldet und alle Eventualitäten gedanklich durchgespielt, denn wer weiß was passiert? Schließlich war es unser erstes Kind. Und für alle möglicherweise auftretenden Situationen - Panik meinerseits, Notfall, vielleicht doch der Wunsch nach einer PDA, Geburtsstillstand - wollten wir einen Plan B parat haben. Das gab uns Gelassenheit und das Gefühl bestmöglich auf diese Ausnahmesituation vorbereitet zu sein. Wir waren also bereit uns auf das Abenteuer Geburt einzulassen.

 

Da wir an diesem Tag sowieso mit Anna zur Kontrolle verabredet waren, beschlossen wir ihr nur kurz per SMS Bescheid zu geben, dass sich langsam etwas tut. Bis dahin bereitete Max noch letzte Dinge vor. Ich probierte schonmal verschiedene Positionen aus - falls die richtig intensiven Wehen beginnen sollten. Bis Anna da war kam ich gut mit den Wehen zurecht, mit ein bisschen Veratmen waren sie noch gut auszuhalten. Anna kam gegen 15 Uhr und schrieb ein kurzes CTG - alles war in bester Ordnung. Die Muttermunduntersuchung ergab, dass der Gebärmutterhals verstrichen und der Muttermund 1-2 cm geöffnet war. Anna meinte, es könnte der Anfang der Geburt sein und bot an da zu bleiben. Wir beschlossen, dass wir noch alleine zurecht kommen und schickten sie nochmal in die Praxis zu ihrem Kurs.

Nach und nach wurden die Wehen stärker, ich tigerte durch die Wohnung - die tiefe Hocke mit kreisendem Becken war die agenehmste Position. An meine Vorstellung von einer Geburt in Hypnose, die ich zuvor wochenlang geübt hatte, war nicht zu denken. Die Kopfhörer störten, an liegen war nicht zu denken und die beruhigende Stimme konnte ich in dieser Situation nicht ertragen. Aber das war nicht schlimm. Ich bewegte mich also stattdessen durch jede Wehe. Meine Anweisungen Max gegenüber wurden immer knapper. Wasser! Kalt - Decke! Heiß! Wehe! Decke schnell weg! Hilf mir aufstehen! Schneller! Ich versuchte bei mir zu bleiben und mich auf die Atmung zu konzentrieren.

Gegen 17 Uhr ging der Schleimpropf ab bzw. eine Zeichenblutung wurde sichtbar. Daraufhin telefonierten wir kurz mit Anna, die uns bestätigte, dass alles seine Richtigkeit hat. Danach wurden die Wehen deutlich stärker und ich lief etwas hektischer durch die Wohnung. Bewegung war nach wie vor gut. Die eine Wehe kam, in der mir klar wurde: Ich brauche Anna! Gegen 17:30 Uhr rief Max also Anna an, um sie zu bitten zu kommen. In der nächsten Wehe platzte die Fruchtblase - mir kam es vor wie im Film - mit einem "platsch". Das Fruchtwasser war grünlich. Uns kam kurz die Frage auf, ob wir doch noch ins Krankenhaus müssen. Wir beschlossen erstmal auf Anna zu warten und es dann in Ruhe mit ihr zu besprechen. Mit der geplatzten Fruchtblase setzte der Pressdrang ein. Ich wollte in die Badewanne. (Wie ist denn das Wasser so schnell in die Badewanne gekommen? :D) Die nächsten Wehen waren sehr intensiv und anstrengend, da wir nicht wussten ob ich schon pressen darf oder nicht bzw. wie weit der Muttermund schon geöffnet ist. Konnte es so schnell gegangen sein? Ich lag in der Badewanne auf der Seite und hielt Max Hände fest. Die Presswehen kamen über mich, ich konnte kaum anders als mitpressen und tief tönen. Ich versuchte jedoch noch nicht aktiv und kraftvoll zu schieben. Um 18:10 Uhr traf Anna ein und vor allem Max Anspannung ließ nach, denn Anna hörte mir schon an, dass das Baby fast da war und bestätigte, dass das Köpfchen vor dem Ausgang ist - ich durfte mitschieben. Die Herztöne waren unauffällig und wir waren erleichtert. Ich war schon zu diesem Zeitpunkt so glücklich, weil mir klar war: Mein Baby kommt hier und jetzt zur Welt, es dauert nur noch ein paar Minuten. Das gab mir viel Kraft und positive Energie - das war nur noch der Endspurt, das Meiste war geschafft.

Anna holte Martha noch dazu. Ich spürte genau wo das Baby war, wie es nach vorne rutschte und dann wieder zurück glitt. Ich konnte den Kopf mit meinen Fingerspitzen ertasten. Wehe um Wehe schob ich das Baby Richtung Ausgang.  Das Köpfchen wurde geboren und eine Wehe später, um 18:58 Uhr rutschte auch der Körper in die Wanne. Ich konnte nicht fassen, dass Tom da war. Anna legte ihn mir auf die Brust. Max und ich platzten vor Glück.Tom schrie sofort los und war anfangs noch etwas bläulich, was sich jedoch schnell legte. Martha brachte im Ofen erwärmte Handtücher und legte sie über Tom. Wir warteten auf die Plazenta, die bald da war. Max schnitt die Nabelschnur durch und ging mit Tom ins Bett.

Anna und Martha halfen mir zu duschen, mich anzuziehen und untersuchten mich noch kurz, um zu prüfen wie stark die Blutung ist und ob eine Verletzung vor liegt. Wir beschlossen erstmal abzuwarten und später nocheinmal zu schauen. Dann schlüpfte ich zu meinen Männern unter die Decke. Max und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Unfassbar, dass wir jetzt plötzlich zu dritt waren. Wir kuschelten während Anna und Martha den Papierkram erledigten.

Dann schauten wir uns gemeinsam die Plazenta an. Anna untersuchte mich nocheinmal und entschied meinen kleinen Dammriss doch nähen zu wollen. Da denkt man, nach einer Geburt hält man alles aus, aber das Betäubungsspray - huiuiui! Das Nähen selbst war dann aber nicht schmerzhaft, nur unangenehm. Dann wurde Tom (weitestgehend auf meiner Brust) untersucht. Da alles in bester Ordnung war bekamen wir noch ein paar Hinweise für die erste Nacht. Dann verabschiedeten sich Martha und Anna. Max und ich erzählten und staunten die ganze Nacht. An Schlaf war nicht zu denken. 

Danke Anna.