Lina
3900 Gramm,
53cm
Geburtsbericht Lina 23.01.2025
So lange habe ich mir schon vorgenommen, einen Geburtsbericht zu schreiben. 8 Monate später
sitze ich jetzt hier und tippe die ersten Zeilen.
Vorweg, ich möchte mit meinem Bericht gerne allen (aber vor allem Erstgebärenden) Mut machen, die mit dem Gedanken einer Hausgeburt spielen. Habt Vertrauen, hört oder lest keine
Schauergeschichten aber befasst euch ehrlich, ungeschönt und umfassend mit dem Thema Geburt. Geht EUREN Weg – es lohnt sich.
Gegen Ende der 38. SSW löste sich der Schleimpfropf. Sonst tat sich nichts, keine Vorwehen oder
sonstigen Anzeichen. Da mir längeres Laufen mittlerweile unangenehmes Stechen in der Hüfte
bescherte, zog ich Bewegung im Wasser vor und schwamm bei 39+0 noch munter meine Bahnen. Das hatte ich auch zwei Tage später – es war Mittwoch, der 22.01. - noch vor, habe mich dann aber für einen gemütlichen Morgen im Bett entschieden, bevor mich dann doch der Tatendran packte und ich gekocht und gebacken habe. Für den nächsten Tag hatte ich mir, bevor Anna zur Vorsorge kommen wollte, nochmal einen Großeinkauf vorgenommen, damit fürs Wochenbett genügend Lebensmittel im Haus sind. Irgendwie überkam mich das Gefühl, dass es in Richtung Wochenende losgehen könnte.
Da meine Mama bei der Geburt dabei sein sollte, hatte ich mir als inneres „Go“ den
Donnerstagnachmittag gesetzt, da dann ein für sie wichtiger Termin auf der Arbeit vorbei wäre.
Außerdem hatte mir Anna erzählt, dass sie bei einer anderen Frau zu einer Vorsorge kam und gleich für die Geburt bleiben konnte. So könnte es doch auch bei mir laufen – soweit zumindest meine jüngste Vorstellung. Als mich Anna ein paar Wochen zuvor nach meinem vermuteten Geburtstermin fragte, meinte ich bestimmt Ende Januar, 30. oder 31. – auch um mir selbst den Druck rund um den ET zu nehmen.
So zurück zum Mittwoch, 39+2. Ich hatte den Tag über doch mehr gemacht als morgens noch
gedacht und war dann abends ungewöhnlich unruhig. Ich habe irgendwelche Sachen von rechts nach links geräumt. Ich konnte auch nicht entspannt auf dem Sofa sitzen und bin stattdessen auf dem Gymnastikball rumgehüpft, während ich positive Geburtsberichte im Podcast gehört habe.
Irgendwann hat mich meine innere Unruhe selbst genervt, sodass ich um 22 Uhr ins Bett bin. Und
dann machte es plötzlich „knack“, als wenn innerlich ein Popcorn platzt – und die Schlafhose wurde nass. Das war dann wohl die Furchtblase. Wie – jetzt schon? Auch wenn ich total überrascht war, überkam mich direkt freudige Aufregung und gleichzeitig die Sorge, ob denn auch bald die Wehen einsetzen würden. Ich wollte doch so unbedingt eine Hausgeburt.
Anna riet mir am Telefon, zu versuchen zu schlafen und meine Temperatur regelmäßig zu
kontrollieren. Aber kaum lag ich wieder im Bett, setzen Bauchkrämpfe ein. Ohje, das waren also
Wehen, und ich dachte nur, das macht aber keine Freude, wenn das schon so losgeht… Um Alex nicht zu wecken (er war zum Glück schnell eingeschlafen) wechselte ich aufs Sofa, machte mir
Entspannungsmusik an und schlief tatsächlich zwischen jeder Wehe leicht ein. Aber alle 20 Minuten kämpfte mein Körper gegen jede Wehe an und ich wand und krümmte mich. So konnte das nicht weitergehen. Ich versuchte mich an die Atemübungen zu erinnern und mit der Zeit konnte ich mich etwas entspannen und nachgeben. Um kurz nach 4 Uhr telefonierte ich noch einmal mit Anna, um sie über meine Wehentätigkeit (alle 10 Min seit einer Stunde) zu informieren und mir einen Tipp zum Veratmen einzuholen. Wir vereinbarten, dass ich mich melde, wenn ich sie brauche. Irgendwann schlüpfte ich zu Alex zurück ins Bett und drückte mich in der Wehe mit dem Rücken gegen ihn. Das tat gut.
Außerdem rief ich meine Eltern an, dass sie sich langsam auf dem Weg machen sollten. Meine Mama sollte ja bei der Geburt dabei sein und uns in den ersten Tagen unterstützen und mein Papa sollte meine Oma, die mit uns im Haus lebt, zu sich mitnehmen.
Ich beschloss, noch einmal unter die Dusche zu gehen. Bei einer Wehe lehnte ich mich zum Veratmen an die Wand, das klappte gut.
Als gegen halb 7 der Wehenabstand zunehmen kürzer und die Intensität stärker wurde, bestand Alex darauf, dass ich Anna anrufen solle, damit sie sich auf den Weg macht. Bis zu ihrem Eintreffen legte ich mich nochmal hin und war ganz entspannt als sie ankam. Die Wehen veratmete ich kniend oder sitzend. Ich war neugierig, ob und wie weit sich der Muttermund geöffnet hatte. Das Ergebnis von 4-5 cm überraschte mich positiv und motivierte mich.
Um ca. 9 Uhr stieg ich in die Badewanne, um auszuprobieren, ob mir das Wasser gut tut. Das warme Wasser war toll, jedoch hatte ich nicht genügend Bewegungsfreiheit, um eine gute Position zum Veratmen der Wehen einzunehmen. Also baute Alex in unserer Küche den Pool auf. Dort fühlte ich mich pudelwohl. In den Wehenpausen erzählten und lachten wir, unter der Wehe begab ich mich in den 4-Füßler und Alex gab Gegendruck aufs Steißbein. So war ich bester Laune bis die Wehen einen deutlichen Qualitätssprung machten.
Jetzt wurde es anstrengend und ich fand es so gar nicht mehr lustig. Außerdem hatte ich das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Mittlerweile war es 12 Uhr und die Wehen kamen ca. alle 3 Minuten. Langsam wurde ich ungeduldig und wollte wissen, wie lange das noch so weiter geht. Konnte mir natürlich niemand sagen... Der Muttermund war erst bei 7cm, was mich angesichts der Arbeit, die es machte, nicht gerade motivierte. Außerdem fühlte ich mich erschöpft und schlapp. Ich wechselte auf die Matratze, bat Anna um ein Schmerzzäpfchen und döste mit meiner Mama im Rücken. - Zu diesem Zeitpunkt hätte ich bei Verfügbarkeit wahrscheinlich auch andere Schmerzmittel angenommen, aber ein Verlegen in die Klinik kam für mich nicht in Betracht. - Der Wehenabstand wurde etwas größer. Die Wehen waren allerdings so heftig, dass ich nicht wusste, wohin mit dem Schmerz. Also hielt ich es nicht länger als eine halbe Stunde in der Seitenlage aus und wollte das Tuch ausprobieren, was Alex noch morgens an der Decke angebracht hatte. Ich hängte mich mit dem Armen daran und spürte starken Druck nach unten. Mein Stöhnen ließ Anna und Franzi (Hebammenstudentin) direkt zu uns eilen. Ich hatte aber keine Kraft in den Beinen, um zu stehen und wollte zurück ins Wasser (ca. 14 Uhr). Davor wollte ich aber noch einmal auf Toilette gehen … keine Ahnung wie oft mich Alex in den
Stunden zuvor dorthin begleitet hatte…
Das Wasser tat erneut gut. Anna meinte, dass ich nach Gefühl mitschieben könne. Das Umschalten vom Veratmen zum Mitschieben fiel mir ziemlich schwer. Anna kontrollierte in den Wehen regelmäßig die Herztöne und bewegte sich so um mich herum, dass ich frei in der Bewegung war. Die Wehen verloren etwas an Intensität und die Herztöne verschlechterten sich, sodass ich nach einer Stunde im Pool auf den Gebärhocker wechselte. Alex stützte mich im Rücken und trug in den Wehenpausen mein ganzes Gewicht, in der Wehe schob und zerrte ich am Hocker. Es drückte und brannte. Anna saß davor, massierte meinen Bauch mit Ut-Öl, ermutigte und motivierte mich, drückte mit der Kaffeekompresse gegen den Damm und lag am Ende vor bzw. unter mir in voller
Furchtwassergefahr. Und nahm dann endlich, nach gefühlter Ewigkeit, um 15:38 Uhr unsere Tochter in Empfang. Es war geschafft.
Stolz, aber sehr erschöpft wechselte ich mit Annas Unterstützung auf die Matratze, das kleine,
schreiende Menschlein auf der Brust. Da hatte ich noch die Gelegenheit die pulsierende Nabelschnur zu fühlen. Die Geburt der Plazenta folgte keine 10 Minuten später.
Von einem auf den anderen Moment waren wir Eltern – wir bewunderten das kleine kreischende
Wesen – unsere Lina… rosig, vital und lautstark – so steht es im Geburtsbericht :)
Mich überkam extremer Hunger. Meine Mama taute die an Tag zuvor gebackenen und eingefrorenen Teigtaschen auf. Unter der Geburt hatte ich nur ein paar Safteiswürfel gelutscht und Energiekugeln gegessen.
Um kurz nach 16 Uhr legte ich mit Annas Unterstützung Lina das erste Mal an die Brust an. Das erste Saugen ließ mich zusammenzucken, deutlich unangenehmer waren aber die Kühlakkus auf meinem Bauch, die das Zusammenziehen der Gebärmutter unterstützten.
Nachdem die frisch gebackene Oma die Nabelschnur durchtrennt hat (dass die so dick und stabil ist, hätte ich nicht gedacht) untersuchte Anna die Plazenta auf Vollständigkeit und erklärte uns alles.
Während Anna mich untersuchte und die Geburtsverletzungen versorgte, legte sich Alex neben mich und nahm Lina auf die nackte Brust. Dort führte Anna im Anschluss auch die U1 durch.
Um meinen Kreislauf zu stabilisieren, legte mir Anna eine Infusion an und erklärte uns ein paar Dinge, die in den nächsten Stunden zu beachten waren. Erst um 19 Uhr verabschiedete sich Anna bis zum nächsten Tag.
An dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches „Danke“ an Anna, dass du uns auf unserem Weg sotoll begleitet hast. Von der vorangegangenen Fehlgeburt über die Vorsorgen, den
Geburtsvorbereitungskurs und das Aufklärungsgespräch bis hin zum Gipfel der Reise – der Geburt – und auch in den ersten Tagen des Wochenbetts standest du uns und besonders mir zur Seite. DANKESCHÖN!

