Geburtsbericht von Leah, * 12.02.2020

 

                                                                     Schon lange bevor ich überhaupt wusste, dass wir uns für ein                                                                    2.  Kind entscheiden würden, wusste ich, dass ich mir eine                                                                Hausgeburt wünsche. Mein Sohn ist in der Klinik geboren –damals                                                           (2016) hatte ich mir gar keine Gedanken nach Alternativen gemacht. Die Geburt war„gut verlaufen“ und doch sind im Nachhinein betrachtet einige Dinge passiert, die ich so nicht wollte: Schmerzen, mit denen ich nicht umgehen konnte, keinerlei Unterstützung durch die Hebamme, Schmerzmittel und PDA, einige unschöne Ansagen der Hebamme an mich, Geburt in Rückenlage, Oxytocin-Tropf, kein Auspulsieren, Ziehen an der Nabelschnur, U1 weit weg von mir, 11x Zimmertür öffnennach dem 1. Tag in der Klinik zwischen 5 und 11 Uhr morgens. So wollteich das nicht wieder! Ich hatte viel gelesen und mit anderen gesprochen –ich wollte eine natürliche, selbstbestimmteGeburt ohneunnötigeInterventionen. Die Schwangerschaft kam und bereits in der 7. Woche rief ich Anna an und wurde aufgenommen. Mein Mann war gar nicht begeistert –sagen wir besser, er war dagegen. Ich setzte mich durch und nachdem er Annabeim Hausgeburts-Frühstückkennengelernt hatte, war er zumindest nicht mehr dagegen! Ich las viele Bücher und beschäftigte mich mit der Tatsache, dass Geburten auch schön und schmerzfrei und v.a. selbstbestimmt sein können. Ich war überzeugt davon, dass es möglich ist und ich das schaffen kann –machte mir aber gleichzeitig auch keine Illusionen, dass es evt. auch anders laufen könnte. Die Zeit verging, die Schwangerschaft war toll und mir ging es blendend. Die Betreuung fand wechselweise bei Anna oder meiner Frauenärztin statt (wegen Schwierigkeiten in der ersten SSW).Mit Anna konnte ich über alles reden und meine Gedanken und Wünsche preisgeben und fühle mich sehr gut betreut. Bei der Frauenärztin war alles nur diagnostisch. Während der gesamten Schwangerschaft habe ich jedem erzählt, dass das Baby amET -Sonntag, dem02.02.2020-um irgendwas mit vielen 2en (20:20 oder 2:22 Uhr etc...) geboren werden wird. Ich glaubte daran –warum auch nicht. Daraus wurde nichts. Mein Baby war noch nicht bereit. Am 5.2. –offiziell ET+3 -stand der für die HG vorgeschriebene Frauenarzt-Terminan. Ich war eigentlich guter Dinge –mir ging es blendend, hatte ichdochgleichzeitig das Gefühl, dass es nun WIRKLICH bald los geht. Ohne nun ist Detail gehen zu wollen, gab sie mir eineEINweisung in die Klinik wegen „Übertragung“.Anna beruhigte mich am Telefon und war zuversichtlich. Ab jetzt erlebte ich ein paar stressige Stunden –aber tatsächlich war die (Wunsch-)Klinik ebenso entspannt und schickte mich mit einem guten Gefühl, dass alles in bester Ordnung ist, wieder heim. Anna gab mir auch an diesem Tag zu jedem Zeitpunkt eingutes Gefühl!Die Tage verstrichen. Ich spürte, es würde bald starten. Leider fing ich mir eine Erkältung ein, die zu einer Bronchitis wurde. Ich bat mein Baby, mit der Geburt noch zu warten, bis es mir besser geht. 3 Tage lang, bat ich sie und sie wartete. Ich spürte aber, dass es Zeit ist und so sagte ich ihr am 11.02. –ET+9 –sie könne diese Nacht kommen. Ich half etwas nach mit den bekannten natürlichen Dingen.Ich fühlte mich etwas unruhig und sehr wach (trotz Müdigkeit durch die Bronchitis) und als ich gegen 1 Uhr nachtsins Bett wollte und mich hinlegte, bekam ich so einen Hustenreiz, dass ich gleich wieder aufstand. Ich musste viel husten ... dabei verkrampftesich mein Bauch -je mehr Husten, desto mehr Kontraktionen im Bauch ... die auch stärker wurden, aber ich konnte nicht unterscheiden, ob sie nur durchs Husten ausgelöst wurden oder einfach so nun Wehen da waren. Das war alles so zwischen 1:30und 2:30Uhr ...Ich wartete ab und merkte nun, dass die Kontraktionen eher zu Wellen wurden ... aber sicher war ich mir weiterhin nicht, weil sie nicht weh taten.Ich schaltete um 2:45 Uhr zum ersten Mal den Wehentracker an.Die ersten 2 Wellen hatten eine 6 min. Pause... soweit so gut. Leider habeich es nicht hinbekommen, immer rechtzeitig auf STOP zu drücken, so dass ich dieweiterenPausenzeiten nicht so recht deuten konnte. Ich merkte aber, es wird intensiver und zwar schnell! Im Nachhinein konnte ich hier sehen, dass nach den 2 Wehen mit 6 min. Pause nur noch so ~3 min. Pause waren. Nun war ich aber sicher, dass die Geburt (endlich) los ging :-)ich war voller Vorfreude. Ich schrieb um 3:04Uhrdie erste SMS an Anna:Es wurde nun schnell stärker. Alles sehr gut aushaltbar. Ich tönte ein bisschenvor mich hin bei den Wellen und stützte mich kurz auf der Tischkante ab, während ich meine vorbereitete Tasche ins Wohnzimmer schaffte und zumindest die wichtigsten Dinge auf den Tisch legte: Portemonnaie mit Versichertenkarte etc. für den Notfall, das Nabelschnurbändchen, Müsliriegel, Wasser für alle ... und viel mehr schaffte ich auch nicht mehr. Ich hatte keine Zeit, Energie und Lust, das Sofa mit Vlies auszulegen oder so. Auch meine ganzen anderen vorbereiteten Dinge(Düfte, Öle, Musik,...)–brauchte ich erstmalnicht. Stattdessen musste ich auf die Toilette und warnun örtlich dort gebunden. Um 3:40 Uhr rief ich Anna an. Sie fuhr kurz darauf los... Ich sagte meinem Mann, er solle unseren Sohn zur Oma fahren (die im 5 min. entfernten Hotel war). Er ging ins Bad nach oben, zog sich in aller Ruhe an, putze die Zähne (ich hörte von unten die elektrische Zahnbürste summen) und so vergingen die Minuten(er wusste ja, dass Annanoch sicher ca. 30 min. brauchen würde und er vorher eh nicht los fährt, um mich nicht allein daheim zu lassen)...bei mir wurde es allerdings intensiver ... Um 3:55 Uhr, ich saß weiterhin auf Toilette, machte es „platsch“–die Fruchtblase platze (auch wenn ich dies erst im Nachhinein erkannte).Jetzt wurde es sehr intensiv. Die Wellen drückten am Steißbein. Ich hatte keine Schmerzen -tönte aber ordentlich, weil es einfach sehr intensiv war. Ich hatte plötzlich diese Gedanken:„... was eine sch... jetzt wird’s aber heftig ... och nö... das gibt’s doch nicht... ich wollte das doch alles ganz harmonisch ... und plötzlich dieser Drang zu schieben ... wo kam der denn her??“Ich fühlte mit den Fingern nach... ups... das ist ja der Kopf !!! Schwups...nächste Welle –eine Presswehe ... Ich rief von unten nach oben zu meinem Mann (der glücklicherweise gerade den Fön ausgemacht hatte und mich hörte: „Michael!!“ Und nochmal so laut ich konnte, um der Sache Nachdruck zu verleihen: „Michael!!!“.Gemütlich kam er runter –„Was ist denn?“ –„Das Kind kommt!“ –„Was?“ –„Das Kind kommt! –Ruf Annaan und mach sie auf Lautsprecher!“ –nächste Presswehe –ich hielt mit der Hand dagegen und versuchte mich zu entspannen,um NICHT mitzuschieben –ich saß ja noch auf der Toilette. Da war es 4:06 Uhr.Mein Mann war geschockt –hatte er doch eigentlich nur die Aufgabe, der Geburt soweit beizuwohnen und mitzumachen, wie ER es wollte –ich hatte schließlich neben Annaextra noch eine Doula nur für mich engagiert ... und nun war (noch) niemand da. Annameldete sich am Telefon –Lautsprecher an –Telefon neben mich gestellt... kurzer Lagebericht –das Kind kommt ... ich solle runter vom Klo auf alle Viere ...Michael–schnell Handtücher auf den Boden legen ... sind in der Tasche, die steht im Wohnzimmer... gleich oben drauf irgendwo da ... ok, die Handtücher kamen ... ich schaffte es in der nächsten sehr kurzen Wellenpause auf den Boden –nächste Welle –nächste Pause ... Drehung -nun im Unterarmstütz zwischen dem Türrahmen –auf den kalten Fliesen mit dünnem Handtuch drüber –störte mich nicht ... die nächste Presswehe... tönen hatte ich vorher versucht und verstärkte den Druck. Ich wollte das Kind aber noch etwas aufhalten. Auf der einen Seite, um auf Annazu warten und auf der anderen Seite, um mein Gewebe zu schonen, denn es ging jetzt ja ziemlich fix.Also anstatt tönen ein sehr hohes schrilles „schreien“ –klang sicher schmerzhaft und komisch –nahm aber Druck und half bei „Warten“. Ich hätte die Kleine direkt raus schieben können ... aber ich schaffte es, ca. 3-4 Wellen so zu entspannen, dasssieimmer wieder zurück flutschte. Mit Annaam Telefon lief das gutund ich fühlte mich sicher.Sie gab Lageberichte, wo sie gerade ist und wie lange sie noch braucht... noch 2 Kurven ... jetzt biege ich bei euch ein ... ich parke jetzt ... Und da war sie –ca. 4:17 Uhr ... die nächste Welle kam und ich fragte nur: „Darf ich mitschieben???“ -„Ja, schieb!!“ –es brannte kurz und flupp, war der Kopf draußen ... paar Sekunden Pause ... nächste Welle ... fluppdiwupp kam das Baby rausgeschossen ... um 4:22 Uhram 12.02.2020.Da war sie ... ich nahm sie gleich in die Arme... unser Baby-MädchenLEAH. Wir gingen zum Sofa ... mein Mann machte kurz noch Vlies drunter und ein Handtuch drauf, noch paar mehr Handtücher plus Decke und da lagen wir nun vereint auf dem Sofa ... Ach und jetzt war alles so entspannt. Ich war so froh daheim zu sein. Mein Hals tat weh und ich musste weiterhin husten ... Mein Baby-Mädchen lag auf mir ... ganz friedlich... sie wollte auch direkt ein bisschen nuckeln ... mit schrumpeligen Händchen und Füßchen und natürlich das süßeste Baby der ganzenWelt ...Wir warteten auf die Nachgeburt ... ich weiß nicht wann, abernach ca. 20-30 min. meinte Annaich soll mal bisschen schieben ... tat ich auch und schwups, da fluppte sie heraus. Nachdem die Nabelschnur vollständig auspulsiert war, nabelten wir ab. Ich schnitt sieeigenhändig durch und das süße Nabelschnurbändchen kam zum Einsatz. Dann die U1 –ganz entspannt auf mir liegend bzw. kurz die Reflexe testen. Kleinere Anpassungsschwierigkeiten, aber dann doch alles gut. Mit 3020 g, 49 cm Länge und 33,5 cm Kopfumfang ein zartes Persönchen (dafür, dass sie bei 41+3 kam).Und dann klingelte auch schon Annas Telefon–eine weitere Frau lag in den Wehen –etwas später nochmal das Telefon–die Fruchtblase ist geplatzt –im Nachhinein erfuhr ich, dass sie dortzumindest noch so 30 min. vor Geburt angekommen war. Anna war nur 2 Wehen vor Geburt da –ich hatte einfach unterschätzt, dass es so schnell gehen würde. Dennoch fühlte ich mich total sicher, v.a. weil ich sie auf dem Telefon unter Freisprechen dabei hatte. Ich war dann aber doch froh, dass sie schließlich da war und die Geburt selbst begleitete. Um es in einem Satz zusammenzufassen: ich hatte eine tolle Geburt und die Sicherheit, die Anna mir von Anfang gegeben hatte, hat einen großen Einfluss darauf gehabt!Ich möchte mit diesem positiven Bericht zeigen, dass es auch so gehen kann. Sicherlich kann das nicht immer so sein –doch es geht. Und ich hatte zwei völlig unterschiedliche Geburten und bin deshalb überzeugt davon, dass eine passende mentale und körperliche Vorbereitung einen großen Teil im Geburtsprozess ausmacht. Jeder sollte seinen Weg finden –ich brauchte dafür Bücher, Erfahrungsberichte und Gespräche. Und deshalb teile ich auch meinen Bericht mit Euch –vielleicht hilft er der ein oder anderen. Das würde mich sehr freuen!

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